Aleister Crowley

"Der böseste Mann der Welt ist tot!", verkündete die britische Boulevardpresse erleichtert, als der berüchtigte Magier und Okkultist Aleister Crowley am 1. Dezember 1947 starb. Seine letzten Tage verbrachte er völlig verarmt und drogenabhängig in der kleinen Pension Netherwoods in Hastings bevor er im Alter von 72 Jahren eher unspektakulär an einer Herzmuskelschwäche starb. Seine letzten überlieferten Worte waren: "I'm perplexed".

Crowleys Familie war durch Erbschaft bedingt außerordentlich wohlhabend. Vater und Mutter hatten längst damit aufgehört ihren Lebensunterhalt mit Arbeit zu verdienen. Sie schlossen sich einer erzkonservativen christlichen Sekte an, die besonderen Wert darauf legte, die Bibel wörtlich auszulegen und der Meinung war, die Apokalypse stände unmittelbar bevor. Sogenannte Gottesdienste fanden abwechselnd bei den Mitgliedern statt, also auch in Crowleys Haus. In dieser von Sittenstrenge geprägten Umgebung wuchs der junge Aleister auf. Er hasste die Bibellesungen des Vaters und nahm immer mehr die Position der Gegenseite ein. Am meisten faszinierte ihn die Offenbarung des Johannes und er beschloss, dass er fortan selbst das große Tier 666 ist. Nach dem Tod seines Vaters und mit dem Beginn der Pubertät lehnte er sich immer mehr gegen die konservative Religiösität auf. Mit 13 Jahren kam er in ein Internat, wurde aber kurz danach wieder entlassen, weil er beschuldigt wurde, sich mit einem Mitschüler homosexuell betätigt zu haben. Schon früh wurde er vertraut mit Tabak, Alkohol, Glücksspiel und Frauen. Er nahm sich regelmäßig Prostituierte, was ihm schon früh Gonorrhoe und Syphilis einbrachte.

Als "das große Tier 666" widmete er sein Leben der Magie. Er beschäftigte sich mit den großen Religionen und Philosophien, durchlief die Grade im magischen Orden "Golden Dawn", war in der Führung der Freimaurer und später im Ordo Templi Orientis, dem heutigen OTO.

Nach Crowleys Tagebuch führte ihn die Hochzeitsreise mit seiner ersten Frau Rose Kelly 1904 nach Kairo. Das Paar war schon früh damit beschäftigt, gemeinsam Beschwörungen diverser Mächte zu praktizieren. Eine "hellseherische" Vision von Rose führt die beiden direkt in das dortige Boulak Museum zu einer Holzstele (genannt "die Stele der Offenbarung"). Die Tatsache, dass die Stele die Katalognummer 666 trug, also Crowleys Zahl, wertete er als Zeichen und in einem Ritual rief er den Gott Horus an. Horus befahl ihm, sich an den nächsten drei Tagen jeweils um 12.00 Uhr zum Diktat einzufinden. In dieser Zeit wurde Crowley von Aiwass, einem Boten der Götter, das Liber L vel Legis diktiert, das Buch des Gesetzes. Es ist ein Buch in orakelhafter Versform in drei Kapiteln. Es soll die Menschen in ein neues Zeitalter führen und die bisherige Weltordnung ablösen. Es wurde die Bibel zu Crowleys Religion Thelema, die später in der Gründung einer Abtei auf Sizilien ihren Höhepunkt fand.

Das wichtigste Gebot aus dem Liber L vel Legis ist ebenso oft zitiert wie missverstanden worden: „Tu was du willst. Dies sei das Ganze des Gesetzes". Von seinen Gegnern, deren Anzahl über die Jahre exponentiell wuchs, wurde es sogar als Aufruf zum Satanismus gewertet. Crowley selbst hat nie versucht, die zahlreichen Gerüchte über angeblich satanische Intentionen zu dementieren. Im Gegenteil: Er genoss es, die Bestie zu sein, das "große Tier 666".

Sein ganzes Leben lang hinterließ er eine Spur aus Wahnsinn, Verzweiflung und Tod. Dies zeigen besonders die Schicksale seiner Frauen oder deren Kinder: Seine erste Ehefrau verfiel dem Alkohol und wurde schließlich mit schwerer Demenz in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Seine zweite verbrachte gar ihre letzten 30 Lebensjahre in der Psychiatrie. Nummer drei trank sich zu Tode, eine der letzten beging Selbstmord. Er zeugte Kinder, die früh starben oder um die er sich nicht scherte. Crowleys exzessive Experimente mit jeglicher Art von Droge, sein übermäßiger Alkoholkonsum und auch sonst kräftezehrender Lebensstil, waren am Ende selbst für seine außerordentliche körperliche Konstitution zu viel. Nach seinem Tod blieb aber ein ganz besonderer Mythos, der viele Menschen inspirierte und noch heute beeinflusst.

Crowley erbte mit dem Tod seiner Eltern ein Vermögen. Nur so konnte er seinen Lebensstil finanzieren.

Neben dem Leben als Magier, der seinen Ruf als verruchtester Mensch der Welt in der Gesellschaft durchaus genoss, war er auch ein ausgezeichneter Bergsteiger, der schon damals den K2 bis auf 6700 Meter bezwang, zu dieser Zeit ein Rekord. Als Dichter und Schriftsteller war er selbst Herausgeber seiner eigenen Werke.